Schlagfertig sein, wenn ich in Gesprächen angegangen werde

Wer in einer Sitzung aus heiterem Himmel fertig gemacht wird, steht oft wie verdutzt da. Wie soll ich bloß reagieren? Die „Vier-I-Methode“ gibt eine hilfreiche Orientierung.

© David Castillo Dominici / FreeDigitalPhotos.net

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Der junge Pastor Michael präsentiert im Pastorenkonvent ein innovatives, neues Projekt für die Konfirmandenarbeit. Stundenlang hat er an seiner Präsentation gefeilt. Sein Konzept war wirklich gut durchdacht. Zugegeben, es wird für alle Pastoren etwas Mehrarbeit bedeuten, aber es ist enorm erfolgsversprechend. Leidenschaftlich fängt er an zu reden und kommt in Fahrt, bis eine gewisse Anspannung von ihm abzufallen beginnt, als er seinen Vortrag beendet.

Nun ist Zeit für eine Aussprache. Ein älterer Kollege lehnt sich in seinem Stuhl etwas süffisant zurück und lächelt ihn nur tiefenentspannt an. Dann beginnt er für alle hörbar zu seufzen. Gelangweilt blafft er: „Als ich jung war, hatte ich auch mal Idealismus. Lass ihn sich ruhig die Hörner abstoßen.“

Wie würdest Du als Michael in einem solchen Moment reagieren? Ich wüsste es ehrlich gesagt nicht, kenne aber ähnliche Situationen zu genüge. Zwar kommen sie nicht häufig vor, aber doch hin und wieder. Man ist von einer solch aggressiven Reaktion überfahren und weiß nicht, was man antworten soll. Man reagiert irgendwie verdattert, wird und wirkt unsicher, lässt sich aus dem Konzept bringen.

Erst ein paar Tage später wird einem klar, wie die perfekte Antwort ausgesehen hätte, frei nach dem Motto: „Spontanität ist das, was einem auf dem Nach-Hause-Weg einfällt.“

Die „Vier-I-Methode“

Dabei ist genau das in der Regel der Zweck dieser verbalen Tiefschläge, ob bewusst oder unbewusst: Sie sollen mich aus dem Konzept bringen und dadurch meine Position schwächen.

In einem Podcast von managerseminare (Hier der Link), bin ich in diesem Zusammenhang auf die „Vier-I-Methode“ gestoßen (Hier mehr dazu). Sie bietet für solche Attacken vier verschiedene Möglichkeiten, souverän mit der Situation umzugehen. Ich atme einmal tief durch und entscheide mich für eine der vier Varianten, je nachdem, was ich gerade für angemessen halte. Ziel von allen Varianten ist es, auf eine gewisse Art wieder Sachlichkeit in die Diskussion zu bekommen.

Ignorieren: Ich gehe auf die Verbalattacke gar nicht ein und setze mein Konzept ungestört fort. Ich begegne dem Tiefschlag auf der Sachebene. Beispiel: „Das Konzept hat Sie offenbar nicht überzeugt. Welche Einwände haben Sie?“

Ironisieren: Ich kontere mit einem humorvollen Kommentar und lenke dann zurück zum Thema. Das setzt natürlich eine gewisse Schlagfertigkeit voraus und ist damit leichter gesagt als getan. Beispiel: „Ihr konstruktives Feedback ist wirklich hilfreich. Darf ich mitschreiben? Spaß bei Seite: Gibt es ernsthafte Bedenken?“

Identifizieren: Ich benenne die Regelverletzung und mache deutlich, dass hier eine Grenze überschritten wurde. Das tue ich ruhig und ohne Hysterie. Beispiel: „Ich fühle mich durch diese unangemessene Rückmeldung nicht ernst genommen und möchte sie bitten, ihre Bedenken sachlich vorzubringen, sollten Sie welche haben.“

Isolieren: Wenn es gar nicht anders geht, unterbreche ich für eine Zeit das Gespräch. Auch das kann durchaus legitim sein. Ich gebe dem Gegenüber jedoch eine Chance, die Diskussion zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen. Beispiel: „In dieser Form bin ich nicht bereit das Gespräch weiter zu führen. Wir machen hier Schluss. Wenn Sie doch noch Interesse haben, können Sie mich gerne kontaktieren.“

Sicherlich lösen diese 4-Strategien nicht alle Probleme, aber es ist dennoch ganz hilfreich, sie im rhetorischen Koffer parat zu haben. Sie helfen nicht bei tieferliegenden Konflikten oder, wenn ich es – und das soll auch vorkommen – mit Psychopathen zu tun bekomme. Dazu habe ich ein spannendes Interview von Bernd Geropp mit Suzanne Grieger-Langer hier gehört.

Frage: Welche Art von verbalen Tiefschlägen bringt dich am meisten aus dem Konzept? Wie gehst Du damit um? Hast Du Dich selbst schon einmal beim Austeilen erwischt?

 

 

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