Der kleine Guide zum theologischen Examen – 10 hilfreiche Grundsätze

Steht das erste theologische Examen wie ein Berg vor Dir, der unerreichbar erscheint? Dann stelle ich Dir hier 10 Grundsätze vor. Sie helfen Dir, Dein Examen erfolgreich zu bestehen oder zumindest: ein wenig erfolgreicher.

berwis  / pixelio.de

berwis / pixelio.de

Es gibt sehr verschiedene Möglichkeiten, sich auf das Examen vorzubereiten. Jeder macht es anders. Und das ist auch gut so. Ich habe mich jedoch bewusst und unbewusst an die folgenden Grundsätze gehalten. Da das Ergebnis am Ende doch recht gut war, glaube ich, dass diese Grundsätze auch Dir weiterhelfen können.

Übrigens: Auch wenn Du nicht Theologie studierst, sind diese Grundsätze sicherlich ebenfalls für Deine Prüfungsvorbereitung nützlich.

1) Lerne nicht nur Inhalt, sondern auch die Prüfungsform! Inhalt ist nicht alles. Es geht darum, die PS auch auf die Straße zu bekommen.

Bereite Dich deshalb auch auf die Prüfungsform vor. Das heißt: Ich simuliere für die mündlichen Prüfungen diese bis zum Umfallen. Oder: Ich übe für die schriftlichen Klausuren ohne Ende das Gliedern einer Klausur.

So habe ich es mit einem Kommilitonen getan. Ich schrieb ein Thema an ein Whiteboard und er musste sofort eine dazugehörige Gliederung für eine Klausur entwerfen. Dazu fertigte er eine Mind-Map an. Dann war ich an der Reihe.

2) Übe das vernetzte Denken! Wahrscheinlich wartet in der Klausur ein Thema auf Dich, das Du in der Form nicht vorbereitet hast. Dann geht es darum zu diesem „neuen“ Thema eine gute Klausur zu schreiben. Und zwar mit dem, was Du parat hast.

Es geht um die Vernetzung von neuem Thema und bekanntem Inhalt. Und das kann man üben! Das Resultat:  Du kannst auch zu einem Thema, von dem Du nicht so viel Ahnung hast, viel schreiben.

3) Weniger exzerpieren, mehr lernen! Es ist ganz einfach: Es zählt nur, was in Deinem Kopf ist. Plane viel (!!!) Zeit zum Lernen ein! Nicht nur am Ende der Examensvorbereitung, sondern auch zwischendurch. Kommst Du in Zeitnot, brich das Exzerpieren ab und fang an zu lernen.

4) Kenne die Prüfungsordnung für Dein Zeitmanagement! Praktisch heißt das: Investiere viel Zeit in das, was viel Punkte bringt und wenig Zeit in das, was wenig Punkte bringt. Das scheint vielleicht selbstverständlich, ist es aber nicht. Ein paar Beispiele:

Bei uns zählen die mündlichen Prüfungen in Summe doppelt so viel wie die schriftlichen Klausuren. Dennoch kenne ich viele Kommilitonen, die ein ganzes Jahr für die Klausuren lernen und nur 5 Wochen für die mündlichen Prüfungen. Das macht in der Form einfach keinen Sinn.

Das zweite Beispiel ist Kirchengeschichte. Viele lernen Kirchengeschichte anhand der beiden dicken Bände von Hauschild. Unsere Prüfungsordnung in der Nordkirche führt aber praktisch dazu, dass 2/3 der Themen für eine Klausur aus dem zweiten Band kommen. Ergo: Der zweite Band ist doppelt so wichtig wie der erste. Was machen die meisten? Sie fangen mit dem ersten Band an und haben irgendwann keine Zeit mehr für den zweiten. Ich habe gleich nur den zweiten Band gelesen…

Also: Plane mehr Zeit für das ein, was viele Punkte bringt.

5) Keine Experimente! Selbst die lange Zeit der Examensvorbereitung vergeht schneller als gedacht. Deshalb: Keine Experimente! Wähle deshalb als Spezialgebiet für die mündlichen Prüfung Themen, mit denen Du Dich schon während des Studiums beschäftigt hast. Hier bist Du schon fit!

Es ist ebenfalls von Vorteil, wenn sich der Prüfer in dem Thema auskennt. Warum? Die Prüfung wird berechenbarer. Besonders gut ist es, wenn der Prüfer zu dem Thema schon einmal etwas veröffentlicht hat. Dann kennst Du seine Meinung und kannst Dich damit im Vorfeld auseinandersetzen.

6) Kenne die Prüfer und gestalte die Beziehung! Was sind ihre Vorlieben und die Themen, die sie in den letzten Jahren gestellt haben? Welche Bücher empfehlen sie? Wie wollen sie eine Klausur aufgebaut sehen?

Es ist zwar nicht prüfungskonform, aber leider nur menschlich. Die Beziehung zwischen Dir und dem Prüfer fließt in die Examensnote ein. Hält mich der Prüfer für einen sehr guten Theologen, dann kann er mir bei einer schlechten Prüfung halt „nur eine Zwei“ geben. Hält er mich für eine Niete, dann wird es bei einer guten Prüfung eine „hervorragende Drei“.

Komischerweise ist das Vorbereitungsgespräch im Büro des Professors damit irgendwie auch Teil des Examens. Man sollte sich hier nicht verstellen, aber doch darauf achten, wie man auftritt und dass man als kompetenter Theologe herüberkommt. Auch Kleidung strahlt Kompetenz aus. Das mag man blöd finden, ist es irgendwie auch, aber leider ist es dennoch Realität.

7) Lernen geht nur mit Relevanz! Die Regel ist ganz einfach: Was mir nicht relevant erscheint, kann mein Gehirn auch nicht behalten. Wozu ich hingegen eine Verbindung habe, das merke ich mir auch. Setze das neu Gelernte also stets zu dem in Verbindung, was Du schon weißt.

8) Setze Deadlines und halte sie ein! Der Grundsatz lautet: Lieber alles ein bisschen oberflächlicher können als riesige Lücken haben. Viele Perfektionisten tappen aber genau in diese Falle.

9) Gib den Prüfern das kleine bisschen Extra. Deine Klausur wird besonders gut, wenn sie sich ein wenig aus der „grauen Maße“ hervorhebt. Also: Wenn Du nicht nur den Inhalt der Standardwerke herunterspulst, sondern an einer Stelle zeigst, dass Du auch mehr kannst. Vielleicht kannst Du an einer Stelle eine Spezialmeinung einfließen lassen, die Du aus einem Aufsatz kennst.

Das klingt auf den ersten Blick nach viel Mehrarbeit. Ist es aber nicht. Mein Lernpartner und ich haben es so gemacht: Wir haben jeder Aufsätze zu bestimmten Standardthemen gelesen und diese auf weniger als eine Seite zusammengefasst. In der ganzen Examensvorbereitung haben wir jeder etwa 15 Aufsätze extra gelesen und damit einen großen Teil abgedeckt.

10) Do it with Jesus. Das Examen ist wichtig, aber lass es nicht zu Deinem Gott werden. Dein Wert in Gottes Augen ist völlig unabhängig vom Examen. Sich das immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, befreit dann auch zum Lernen und Leben.

Frage: Was ist Dir in der Examensvorbereitung wichtig geworden? Welchen Tipp würdest Du anderen geben? Hinterlasse Deine Antwort gerne als Kommentar!

Schlagwörter: , , , ,